Der Sichtbarkeitseinbruch nach einem Relaunch hat fast immer dieselbe Ursache: Die neue Website hat andere Adressen als die alte, und niemand hat Google mitgeteilt, welche Seite jetzt wo zu finden ist. Wer vor dem Umzug eine vollständige Liste aller alten Adressen erstellt und jede einzelne dauerhaft auf ihr neues Ziel weiterleitet, behält seine Rankings. Alles andere ist Glücksspiel.
Es ist die unangenehmste Nachricht, die man nach einem Relaunch bekommen kann: Die Website sieht großartig aus – und die Anfragen bleiben aus. Ein Blick in die Google Search Console zeigt dann meist dasselbe Bild: Die Zahl der Seiten im Index bricht ein, die Klicks folgen mit ein paar Tagen Verzögerung.
Das Ärgerliche daran ist, dass dieser Einbruch vollständig vermeidbar ist. Er entsteht nicht durch das neue Design und nicht durch die neue Technik, sondern durch fehlende Vorbereitung. Hier ist die Reihenfolge, in der ich bei jedem Relaunch vorgehe.
Vor dem Relaunch: Bestand aufnehmen
1. Alle vorhandenen Adressen erfassen
Nicht nur die Seiten, die im Menü stehen. Gerade alte Websites haben Unterseiten, die über Jahre Besucher gebracht haben und die im Menü längst nicht mehr auftauchen – ein Fachbeitrag von 2019, eine Produktseite, eine Landingpage aus einer alten Kampagne. Diese Seiten sind oft die wertvollsten.
Quellen für eine vollständige Liste: die XML-Sitemap, die Google Search Console (Bericht zur Indexabdeckung), die Weblogs des Servers und ein Crawl der bestehenden Website. Erst die Kombination ergibt ein vollständiges Bild.
2. Den Bestand bewerten
Zu jeder Adresse gehören zwei Zahlen: Wie viele Besucher kamen darüber, und über welche Suchbegriffe. Daraus ergibt sich die Einteilung in drei Gruppen: Seiten, die unbedingt erhalten bleiben müssen; Seiten, deren Inhalt in eine neue Seite aufgeht; und Seiten, die ersatzlos entfallen können.
3. Die neue Struktur aus dem Bestand ableiten
Hier passiert der häufigste Fehler: Die neue Seitenstruktur wird am Reißbrett entworfen, ohne den Bestand anzusehen. Dann fehlen plötzlich Themen, für die die alte Website gut gefunden wurde. Die neue Struktur sollte besser sein als die alte – aber sie muss wissen, was sie ersetzt.
Die Weiterleitungs-Checkliste
Das ist der Teil, an dem Relaunches scheitern oder gelingen:
- Jede alte Adresse bekommt ein Ziel. Keine Ausnahmen. Wo es keine direkte Entsprechung gibt, wird auf die thematisch nächstliegende Seite weitergeleitet – nicht pauschal auf die Startseite.
- Dauerhaft weiterleiten, nicht vorübergehend. Technisch: Status 301, nicht 302. Nur die dauerhafte Weiterleitung überträgt die aufgebaute Bewertung auf die neue Adresse.
- Keine Weiterleitungsketten. Wenn A auf B und B auf C zeigt, geht unterwegs Wirkung verloren. A soll direkt auf C zeigen.
- Auch Bilder und Dateien bedenken. PDF-Prospekte und Bilder, die extern verlinkt sind, brauchen ebenfalls ein Ziel.
- Vor dem Livegang testen. Die Weiterleitungsliste lässt sich automatisiert prüfen: Jede alte Adresse aufrufen und kontrollieren, ob sie mit Status 301 auf einer erreichbaren Seite landet.
Am Tag des Umzugs
Die Umstellung selbst dauert Minuten, nicht Stunden – vorausgesetzt, die neue Website wurde parallel auf einer separaten Adresse aufgebaut und ist abgenommen. Ihre alte Website bleibt bis zum Schalttag normal erreichbar; es gibt keinen Grund für eine Ausfallzeit.
Direkt nach der Umstellung gehören drei Dinge erledigt: die neue XML-Sitemap in der Google Search Console einreichen, stichprobenartig alte Adressen aufrufen und prüfen, ob die Weiterleitungen greifen, und sicherstellen, dass die neue Website nicht versehentlich für Suchmaschinen gesperrt ist. Der letzte Punkt klingt banal – die Sperre aus der Bauphase zu vergessen, ist einer der häufigsten Fehler überhaupt.
Die Wochen danach
Schwankungen in den ersten zwei bis vier Wochen sind normal. Google muss die neuen Seiten crawlen, bewerten und einordnen; dabei geht es kurzfristig auf und ab. Was Sie beobachten sollten:
- Die Zahl der indexierten Seiten – sie sollte sich der alten annähern oder sie übertreffen.
- Fehlerseiten in der Search Console – jede gemeldete nicht gefundene Adresse ist eine vergessene Weiterleitung.
- Die Klicks auf die wichtigsten Seiten – im Vergleich zum selben Zeitraum vor dem Relaunch.
Was Sie nicht tun sollten: nach zehn Tagen in Panik verfallen und anfangen, an Texten und Struktur herumzuändern. Damit nehmen Sie Google die Chance, die neue Seite überhaupt erst stabil zu bewerten.
Ein dauerhafter Rankingverlust nach einem Relaunch ist kein Naturgesetz. Er ist ein Fehler – und zwar meistens einer, der drei Wochen vorher gemacht wurde.
Häufige Fragen
Verliere ich beim Relaunch meine Google-Rankings?
Nicht, wenn der Umzug sauber vorbereitet ist. Entscheidend sind dauerhafte Weiterleitungen von jeder alten auf die passende neue Adresse, das Übernehmen der wertvollen Inhalte und eine gleichwertige oder bessere technische Basis. Kurzfristige Schwankungen in den ersten zwei bis vier Wochen sind normal, weil Google die Seiten neu bewerten muss. Ein dauerhafter Einbruch dagegen ist ein Fehler, kein Naturgesetz.
Was ist eine 301-Weiterleitung?
Eine 301-Weiterleitung ist die technische Mitteilung an Browser und Suchmaschinen, dass eine Adresse dauerhaft umgezogen ist. Im Unterschied zur vorübergehenden 302-Weiterleitung überträgt sie die über Jahre aufgebaute Bewertung der alten Adresse auf die neue. Bei einem Relaunch muss jede alte Adresse eine solche Weiterleitung auf ihr inhaltlich passendes neues Ziel bekommen.
Wie lange ist meine Website beim Relaunch offline?
Gar nicht. Die neue Website entsteht auf einer separaten Adresse, während die bisherige normal weiterläuft. Erst wenn alles fertig und abgenommen ist, erfolgt die Umstellung – in der Regel innerhalb weniger Minuten und auf Wunsch außerhalb der Geschäftszeiten.
Kann ich einfach alle alten Adressen auf die Startseite weiterleiten?
Davon rate ich ab. Google wertet massenhafte Weiterleitungen auf die Startseite häufig wie eine Fehlerseite, weil der Inhalt nicht dem entspricht, was der Nutzer erwartet hat. Die Bewertung der alten Seite geht dabei verloren. Besser ist es, jede Adresse einzeln auf ihr thematisch nächstliegendes Ziel zu leiten – und nur dort auf die Startseite, wo es wirklich keine Entsprechung gibt.
Wann sollte ich meine Zahlen wieder ernst nehmen?
Nach etwa vier bis sechs Wochen lässt sich seriös beurteilen, ob der Umzug gelungen ist. Davor sehen Sie vor allem die Neubewertung durch Google. Wichtig ist, in dieser Zeit die Fehlerberichte der Search Console im Blick zu behalten – vergessene Weiterleitungen zeigen sich dort sofort und lassen sich schnell nachziehen.
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